„Das Interesse an klassischer Musik ist groß.“

MAZ, Interview: Karen Grunow, Foto: Karen Grunow

Gerlint Böttcher von den Schlosskonzerten Königs Wusterhausen spricht über das bevorstehende Festival

Königs Wusterhausen. Das kleine Festival der Schlosskonzerte Königs Wusterhausen wird am 9. September in der Kreuzkirche eröffnet. Die in Eichwalde lebende Pianistin Gerlint Böttcher ist die künstlerische Leiterin der Konzertreihe, die vom Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark in der Deutschen Gesellschaft e. V. veranstaltet wird. Im Interview erzählt sie, was die Besonderheiten des Festivals sind und wie sie es Jahr für Jahr schafft, hochkarätige Künstler dafür zu verpflichten.

Wie haben sich die Schlosskonzerte entwickelt, seitdem Sie 2013 mit einer Ouvertüre das ein Jahr später startende Festival ankündigten?

Gerlint Böttcher: Von der Idee bis zum ersten Festival war es schon eine große Herausforderung. Alle nötigen Kontakte und Verbindungen für eine erfolgreiche Konzertreihe mussten erarbeitet werden.

Wir haben hier aber ein sehr aufgeschlossenes, kundiges und begeisterungsfähiges Publikum, wobei wir sicherlich anfangs auch naturgemäß kritisch beäugt wurden. Aber von Beginn an fällt auf, dass das, was wir hier machen, auf sehr fruchtbaren Boden fällt und dankbar angenommen wird. Die Menschen empfinden das Festival als Bereicherung. Das ist natürlich eine Grundlage, auf der man fantastisch kreativ sein kann: So sind beispielsweise im vergangenen Jahr speziell für das Eröffnungskonzert Arrangements entstanden, die wir hier uraufgeführt haben.

Womit heben Sie sich ab von anderen Konzertreihen der Region?

Wir haben das große Glück, zwei so schöne und geeignete Konzertsäle in unmittelbarer Nähe zu haben – das intimere Kavalierhaus für die kleineren Besetzungen, die akustisch hervorragende Kreuzkirche für größere Ensembles. Eingebettet sind beide Säle in das fast märchenhaft anmutende Schlossensemble. Unsere Künstler sind ausnahmslos erstklassig und international renommiert. So hatten wir beispielsweise die Echo-Klassik-Preisträger SingerPur, Bassiona Amorosa und den Schauspieler Hans-Jürgen Schatz zu Gast. Empfehlenswert ist eine spezielle Schlossführung, bei der viel Interessantes über Leben und Eigenheiten des „Soldatenkönigs“, den Erfinder der „Langen Kerls“ und Gastgeber des legendären Tabakkollegiums, zu erfahren ist. Das Schlosscafé im ehemaligen Pferdestallserviert selbst gebackene Kuchen und andere Köstlichkeiten, im stilgerecht restaurierten Schlossrestaurant kann man bei einem Drei-Gänge-Menü wie zu Zeiten des „Soldatenkönigs“ speisen, auch selbst gebrautes Bier kann probiert werden.

Worauf freuen Sie sich in diesem Jahr besonders?

Ich freue mich auf den Moment, wo alles Organisatorische erledigt ist, das Publikum erwartungsfroh im Saal sitzt, das Licht ausgeht – und die Künstler die Bühne betreten. Das ist ein sehr spannender und fast magischer Augenblick. Ich bin sehr gespannt auf das Vokalensemble amarcord. Und freue mich natürlich auf das Eröffnungskonzert mit dem sagenhaft grotesk-verrückten Konzert von Schostakowitsch.

Verspüren Sie als künstlerische Leiterin und Solistin des Eröffnungskonzertes zusätzliche Anspannung?

Ja, natürlich. Die Aufregung ist bei allen meinen Konzerten groß, aber hier steigt sie dann fast ins Unermessliche. Es ist aber Vorfreude und Aufregung gleichermaßen. Aber bei aller Aufregung muss ich ganz klar sagen: Es macht so viel Freude, zusammen mit dem Veranstalter, dem Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark in der Deutschen Gesellschaft e.V., etwas so Schönes auf die Beine zu stellen.

Wie kam es zu der Kooperation mit dem Deutschen Musikrat?

Erstmals arbeiten wir in diesem Jahr mit dem Deutschen Musikrat zusammen. Er ist mir seit meiner Studienzeit bekannt als eine international renommierte Institution, die unter anderem über Wettbewerbe den besten deutschen Nachwuchs herausfiltert und ihn anschließend großzügig undnachhaltig über einen längeren Zeitraum fördert. Unter anderem durch Konzerte an ausgewählten Orten und Zuschüsse für Veranstalter zu Honoraren. So wird es den Veranstaltern leicht gemacht, diese hochrangigen Leute zu engagieren. Gleichzeitig fördern wir damit unseren Musikernachwuchs. Der Deutsche Musikrat fördert die Künstler unseres zweiten Konzerts, Bettina und Robert Aust, und den Trompeter des Eröffnungskonzerts, Simon Höfele.

Wie schaffen Sie es, Jahr für Jahr ein so abwechslungsreiches wie hochkarätig besetztes Programm zusammenzustellen?

Von Anfang an war es mir wichtig, durchweg hochkarätige und international renommierte Künstler nach Königs Wusterhausen einzuladen und unkonventionelle und mitreißende Programme zu gestalten. Und das bei einer überschaubaren Anzahl an Konzerten in einem komprimierten Zeitrahmen. Ich habe großen Spaß an der Entwicklung des Programmes. Ideen gibt es viele. Es ist schon ein sehr langwieriger und intensiver Prozess. Ich höre mir Konzerte und Videos an. Das, was mich einige Monate später immer noch begeistert, kommt in die engere Wahl. Manche Musiker kenne ich seit Jahren durch meine Lehrtätigkeit an der Musikhochschule „Hanns Eisler“ in Berlin. Von anderen habe ich über Dritte oder Mundpropaganda gehört. Kontakte habe ich auch durch meine eigene Konzerttätigkeit.

Warum finden die Konzerte diesmal konzentrierter – im Abstand von jeweils zwei Wochen statt wie zuvor mit Sommerpause – statt?

Das hat zum Teil organisatorische Gründe, und ich denke, dass die Monate nach den Sommerferien gute Konzertmonate sind. Man sitzt abends nicht mehr draußen, sondern geht zum Beispiel ins Konzert. Aber das ist nicht neu: Auch 2014 haben wir nach den Sommerferienbegonnen.

Ist es Zufall, dass es in diesem Jahr nur zwei Veranstaltungsorte gibt?

Wir haben uns in diesem Jahr auf die namensgebenden Standorte beschränkt, eben das zum Schlossensemble gehörende Kavalierhaus und die Kreuzkirche. Beides sind traditionell hervorragend geeignete Konzertorte, in denen durch die unterschiedliche Größe sehr abwechslungsreiche Programme zu realisieren sind.

Sprechen Klassik-Konzerte mittlerweile ein breiteres Publikum an?

Das Interesse an klassischer Musik ist groß. Uns hat seit dem ersten Konzert der enorme Zuspruch überrascht und hoch erfreut. Wir haben nicht nur ein treues Stammpublikum aus der Region und Berlin, sondern auch jährlich neue Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet, die es nach Königs Wusterhausen zieht. Unser Sonderkonzert im Februar in Kooperation mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten war vier Wochen vorher ausverkauft, so dass wir ein zweites Konzert hätten spielen können. Ich werde bei meinen eigenen Konzertreisen immer öfter auch fernab der Heimat auf die Schlosskonzerte in Königs Wusterhausen angesprochen.

Sie wollen insbesondere Jugendliche für Konzertbesuche begeistern?

Ja, richtig. Ein besonderes Anliegen unseres Engagements ist die Jugendförderung. Daher sind für uns die Kulturpatenschaften besonders wertvoll, die der Flughafen BER für die Schüler der Region spendiert. Hier kommen Schüler des Umlandes in den Genuss, hochrangige klassische Konzerte zu erleben. Das wird sehr gut und begeistert angenommen. Eine Kooperation haben wir mit dem Wildauer Gymnasium „Villa Elisabeth“. Die Schüler unterstützen uns beim Konzertablauf, zum Beispiel beim Einlass, erhalten so die Gelegenheit, einmal hinter die Kulissen zu blicken, lernen Organisationsabläufe kennen und haben sogar die Möglichkeit, das eine oder andere Wort mit den Künstlern zu wechseln. Das ist hoch spannend, und dadurch beginnen sich junge Leute für Klassik zu interessieren.

Interview: Karen Grunow

Die Schlosskonzerte im Überblick

9. September, 19 Uhr: Das Eröffnungskonzert in der Kreuzkirche wird bestritten von Pianistin Gerlint Böttcher, Trompeter Simon Höfele und dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim unter Leitung von Aurélien Bello. Es erklingen Werke von Schostakowitsch, Janácek, Dvorák und Bellini.

23. September, 19 Uhr: Das Duo Bettina und Robert Aust kommt mit einem Abend für Klarinette und Klavier in den Festsaal der Kavalierhäuser am Schloss. Rossini, Liszt, Danzi, von Weber und Bassi stehen auf ihrem Programm.

7. Oktober, 19 Uhr: Violinistin Sueye Park und Pianistin Tahmina Feinsteinkommen mit Grieg, Saint-Saëns, Clara Schumann und Franck.

21. Oktober, 19 Uhr: Das fünfköpfige Vokalensemble amarcord stöbert für seinen Auftritt in der Kreuzkirche im Notenschrank der Thomaner.

Weitere Informationen zu den Künstlern und Konzerten sowie zu den Ticketverkaufsstellen gibt es im Internet unter www.schlosskonzertekoenigswusterhausen.de

Bildunterschriften:

Gerlint Böttcher – FOTO: KAREN GRUNOW

Das Vokalensemble Amarcord hat bereits zweimal den Echo Klassik gewonnen und gehört weltweit zu den besten seiner Art. FOTO: ROLF ARNOLD/PR

Pianist Robert Aust und seine Schwester Bettina, die Klarinettistin ist, kommen als preisgekröntes Duo ins Kavalierhaus. FOTO: MAIKE HELBIG/PR