Ohne Netz und doppelten Boden

Märkische Oderzeitung, Michael Gabel, Foto © Susan Paufler

Höhepunkte des Festivals „Schlosskonzerte Königs Wusterhausen“ auf CD

Es ist ein – noch – kleines, aber feines Festival, das die Konzertpianistin Gerlint Böttcher in Königs Wusterhausen (Dahme- Spreewald) auf die Beine gestellt hat. Auf einer neu erschienenen CD bekommt man nun einen guten Eindruck davon, welche exzellenten künstlerischen Leistungen im vergangenen Sommer bei den Schlosskonzerten zu erleben waren – und es hoffentlich in den kommenden Jahren noch sein werden. Das Festival profitiert sehr davon, dass die in Frankfurt (Oder) geborene künstlerische Leiterin nicht nur klug und kompetent die Mitwirkenden auswählt, sondern auch selbst als Solistin in die Tasten greift. In ihrer Version des 1. Klavierkonzertes von Ludwig van Beethoven zeigt Gerlint Böttcher, dass sie einerseits über einen klaren, kräftigen Anschlag verfügt, andererseits auch in den lyrischen Passagen Spannendes zu erzählen weiß. Die von Beethoven zahlreich eingestreuten virtuosen Passagen – der Komponist stellte sich damit selbst als Pianist der Wiener Öffentlichkeit vor – bewältigt sie mit leichter Hand. Und sie hat auch im vom Dirigenten Timo Handschuh geleiteten Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim einen Gegenpart gefunden, der mit ihr musikalisch auf Augenhöhe agiert. Besonders reizvoll ist der Live- Charakter der Aufnahme. Wo andere Einspielungen beinahe tot produziert werden, darf in diesem Fall auch mal ein Stuhl knarren, und auch ein Hüstler ist zu vernehmen. Insgesamt stellt sich der Eindruck ein: Es wird endlich mal ohne Netz und doppelten Boden gearbeitet. Umso beglückender ist dann das Ergebnis. Doch nicht nur der Beitrag Gerlint Böttchers beeindruckt. Auch die Interpretation der Prokofiew- Sonate für Cello (Danjulo Ishazaka) und Klavier (Severin von Eckardstein) fällt überzeugend aus. Das japanisch-deutsche Duo setzt ganz auf den schwermütig-elegischen Gehalt des Werkes – und führt eine Seite des Prokofjew’schen Schaffens vor, das sich so ganz von dem eleganten Neoklassizismus vieler seiner anderen Stücke abhebt. Geschmackssache sind sicherlich die jazzigen Interpretationen der sechsköpfigen deutschen Vokalgruppe „Singer pur“ von Liedern von Johannes Brahms. Schlichte, aber schöne Werke wie „Erlaube mir, feins Mädchen“ und „Guten Abend, gute Nacht“ wirken in den – zugegeben raffinierten – Arrangements ziemlich überladen. Dass das Ensemble toll singen und gut grooven kann, zeigt es aber in einer mitreißenden Version des amerikanischen Jazz-Schlager-Klassikers „Cheek To Cheek“.

Gerlint Böttcher: „Schlosskonzerte Königs Wusterhausen 2014“ (GLS Studios); Konzert am 3.4., 19 Uhr, Gut Klostermühle, Alt- Madlitz, Kartentel. 033607 59290