Verwurzelt im Dahmeland

Märkische Allgemeine, Bericht: Karen Grunow, Foto: Peter Adamik

Gerlint Böttcher, international gefragte Pianistin und künstlerische Leiterin der Schlosskonzerte Königs Wusterhausen, schätzt ihr Zuhause in Eichwalde

Es ist eher ein Zufall, dass Gerlint Böttcher heute im Dahmeland lebt. Die in Briesen bei Frankfurt (Oder) aufgewachsene Pianistin wohnte seit ihrem Studium an der Musikhochschule „Hanns Eisler“, wo sie heute auch lehrt, in Berlin. „2002 suchte ich eine Wohnung, da meine in Köpenick saniert wurde. Ich brauchte etwas Neues, wo ich möglichst ungestört üben konnte“, erinnert sie sich an ihren Umzug nach Zernsdorf in jenem Jahr. Seit sieben Jahren nun lebt sie in Eichwalde. Insbesondere von hier aus hat sie das kulturelle Leben in der Region entscheidend mitgestaltet. Denn seit 2014 gibt es die Schlosskonzerte Königs Wusterhausen, deren künstlerische Leiterin sie ist. Schnell hat sich das kleine Festival zu einem der kulturellen Höhepunkte der Region gemausert. Auch in diesem Herbst werden wieder herausragende Musiker erwartet, etwa die außergewöhnliche Formation der 14 Berliner Flötisten oder der schon früh als Wunderkind gefeierte und heute als Ausnahmegeiger gelobte Albrecht Menzel. „Das historische Schlossensemble mit den beiden Konzertsälen in Königs Wusterhausen hatte es mir von Anfang an angetan: ein bisschen verwunschen, stimmungsvoll und damit genau der richtige Ort für ein Klassikfestival“, erzählt Gerlint Böttcher. Es sei ein „Schatz für die Region“, schwärmt sie. Längst ist die international gefragte Pianistin tief verwurzelt im Dahmeland, dessen wald- und seenreiche Landschaft sie schnell schätzen lernte. „Ich lebe ausgesprochen gern hier am Stadtrand. Eichwalde liebe ich sehr, bin in ein paar Schritten am Wasser, kann hier richtig durchatmen. Oft gehe ich durch den Ort spazieren und bewundere die schönen Gärten zu den verschiedenen Jahreszeiten“, sagt sie. Sie wird am 1. September selbst das Eröffnungskonzert des diesjährigen Festivals in der Königs Wusterhausener Kreuzkirche bestreiten, gemeinsam mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim. „Für mich ist es besonders schön und spannend, in der Region aufzutreten“, findet sie. Mit den Schlosskonzerten sei an diesem Ort etwas entstanden, was dem Publikum und ihr viel Freude mache und sie sehr mit der Region und den Menschen verbinde. Auch Nachbarn und Freunde entdecke sie bei den Konzerten oft. Mittlerweile, sagt sie, werde sie auch anderswo schon auf die Schlosskonzerte angesprochen. „Da freut es mich als Dahmeländerin dann immer ungemein, dass das Festival schon so bekannt ist“, so Böttcher. So selbstverständlich wie sie sich längst als Dahmeländerin sieht, so gern ist sie in der Ferne unterwegs, liebt das auch unstete Leben einer gefragten Pianistin. „Das Wort Heimat mache ich für mich an keinem bestimmten Ort fest. Ich kann mich an Orten, mit denen ich bleibende Eindrücke verbinde beziehungsweise besondere Menschen kenne, zu Hause fühlen“, sagt sie. „Oft sind gerade diese kurzen musikalischen Verbindungen zu Menschen und Orten besonders intensiv und schön, so dass ich mich manchmal kaum trennen mag.“ Deshalb nennt sie, wenn es um ihr persönliches Heimatgefühl geht, keinen konkreten Ort, sondern beschreibt das tiefe Empfinden so: „Die Musik ist meine Heimat. Die habe ich in mir. Und da, wo ich mich musikalisch ausdrücken kann, fühle ich mich zu Hause. Ob das dann hier ist oder in anderen Ländern, ist nicht entscheidend.“ Nach Eichwalde, sagt sie, komme sie immer gern zurück. Und mit dem Ort ihrer Kindheit, Briesen, verbinde sie viele schöne Erinnerungen, die sie manchmal, wenn sie dort ist, sogar etwas sentimental werden lassen.